Koblenz - die Wiege des vlbs Landesverbandes
vlbs Ortsverband Koblenz feiert 60 Jahre vlbs

ScanZu einer feierlichen Sitzung hatte Günter Fondel, der Vorsitzende des OV Koblenz, die Mitglieder des vlbs Ortsverbandes Koblenz in den Königsbacher Raum der Julius Wegeler Schule eingeladen. Auch der Bezirksverband Koblenz des vlbs war durch seinen Vorsitzenden Willi Detemple und durch Dr. Peter Kockelmann vertreten. Musikalisch begleitet wurde die Feierstunde von Schülerinnen und Schülern der Musikschule Koblenz.
In ihrer Grußrede, wagte Heidi Bonni, stellvertretende Landesvorsitzende des vlbs Rheinland Pfalz zunächst einen Ausblick in die Zukunft. Sie betonte, dass die berufsbildenden Schulen in Folge der Einrichtung der "Realschule plus" und dem Projekt "Keiner ohne Abschluss" vor großen Herausforderungen stünden. Es bestehe die Gefahr, dass die BBS unter anderem wegen der möglichen Einrichtung der Fachoberschule an den "Realschulen plus" Schüler verliere. Die berufsbildenden Schulen müssten in diesem Wettbewerb jeweils ihr eigenes Profil schärfen und ihre speziellen Kompetenzen herausstellen.
In diesen Zeiten sei deshalb eine starke Interessenvertretung für die Lehrerinnen und Lehrer an berufsbildenden Schulen nötig. Junge Kolleginnen und Kollegen müssten für den vlbs gewonnen werden, denn nur ein mitgliederstarker Verband fände Gehör in Politik und Wirtschaft.
Die eigentliche Festrede der Veranstaltung hielt das älteste Mitglied im OV Koblenz, Herr Helmut Pflug, der dabei auf die Gründungszeit des vlbs und die damaligen Schwierigkeiten und Probleme im Bereich der beruflichen Bildung in der Entstehungsphase der Bundesrepublik zurückblickte. Mit ganz anderen Problemen, so Helmut Pflug, hätten die Lehrerinnen und Lehrer am Ende des zweiten Weltkriegs zu kämpfen gehabt. An einen Berufsschulunterricht in einem eigenen, gut eingerichteten Gebäude war damals noch nicht zu denken. Als die französische Militärregierung am 1. Oktober 1945 die Wiederaufnahme des Unterrichts in Koblenz erlaubte, fand dieser zum Teil im alten Mehlmagazin in der Fischelstraße statt. Auch die Schulleitung hatte dort ihr Büro. Weitere Klassenräume waren in der Volksschule in Moselweiß, wo dann allerdings nur nachmittags nach dem Ende des Volksschulunterrichts unterrichtet werden konnte. Die Berufsschule startete mit einer gewerblichen, einer kaufmännischen und einer hauswirtschaftlichen Abteilung. Jede Lehrperson, die damals unterrichten wollte, wurde zunächst mittels eines dreiseitigen Fragebogens auf ihre politische Vergangenheit überprüft und durfte nur, wenn die Militärregierung Unbedenklichkeit bescheinigte, im Amt bleiben.

60 Jahr vlbs 012
   Herr Pflug während seiner Festrede

Am 5. Dezember 1948 wurde Ewald Herrmann, der 1933 als Schulleiter in Hindenburg (Oberschlesien) von den Nationalsozialisten entlassen worden war, an der gewerblichen und hauswirtschaftlichen Berufschule in Koblenz der erste "Berufsschuldirektor". Zum Kollegium gehörten insgesamt 12 Kolleginnen und Kollegen, unter anderen auch Herr Pflug.
Sein inzwischen 15-köpfiges Kollegium lud Direktor Herrmann am 3. September 1949 zu einer Versammlung ein, in der ein Ortsverein der Lehrer an berufsbildenden Schulen gegründet werden sollte. Alle 16 Anwesenden erklärten ihren Beitritt zum Ortsverein und Herr Pflug betonte, dass es damals für alle Kolleginnen und Kollegen eine Selbstverständlichkeit gewesen sei Mitglied im Verband der Berufsschullehrer zu werden. Der älteste Kollege, Herr Schneider, wurde als Vorsitzender vorgeschlagen und gewählt. Er selbst als jüngstes Mitglied, so Helmut Pflug, wurde zum Schriftführer gewählt.
Sein Protokoll der Gründungsversammlung in Koblenz wurde dem Arbeitsausschuss für den neu zu gründenden Landesverband mit der Bitte geschickt, Herrn Ewald Herrmann im neuen Landesverband als deren ersten Vorsitzenden zu wählen.
Für Samstag, den 22. Oktober 1949, lud Herr Herrmann die Lehrkräfte der damaligen Regierungsbezirke Koblenz, Trier und Montabaur zur Gründung eines Landesverbandes nach Koblenz in den Saal des katholischen Lesevereins ein. Etwa vierzig Kolleginnen und Kollegen folgten der Einladung und wählten einen Landesvorstand. Als "Taufpate", so nannte ihn Herr Helmut Pflug, war Herr Walter Krefting vom schon gegründeten Landesverband Nordrhein-Westfalen anwesend.
Als Verbandsname wurde "Deutscher Verband der Lehrerschaft an berufsbildenden Schulen, Landesverband Rheinland Pfalz" akzeptiert und Ewald Herrmann, der "Berufsschuldirektor" aus Koblenz, wurde zum ersten Vorsitzenden gewählt.
In den folgenden Jahren bildeten sich weitere Ortsverbände, die sich alle dem Landesverband anschlossen.
Besonders hob Herr Pflug das Bemühen vom Vorsitzenden Herrmann hervor, sich für die Aufhebung der preußischen Notverordnung einzusetzen. Diese Verordnung von Reichskanzler Brüning hatte den Beamten 1931 eine 20-prozentige Gehaltskürzung gebracht und galt immer noch. 1952 wurde die Gehaltskürzung endgültig aufgehoben, nicht zuletzt wegen des beharrlichen Einsatzes des vlbs und ihres ersten Vorsitzenden. Die Gehälter stiegen dadurch um etwa 300,00 DM, auf (je nach Besoldungsgruppe) 3600,00 bis 5800,00 DM - jährlich! - .
Zu den ersten Forderungen des Verbandes gehörte seit 1950 auch, die Lehrerinnen und Lehrer an berufsbildenden Schulen den Studienrätinnen und Studienräten gleichzustellen.
Zum Andenken an Ewald Herrmann zitierte Herr Pflug den Dichter Kotzebue: "Es haben viele liebe Menschen vor uns und mit uns gelebt und gelacht, den Ruhenden unter dem Rasen sei dankbar der Becher gebracht."
Er schloss seine Rede mit den Worten: "Ich danke für die Aufmerksamkeit, die Sie einem 93-jährigen Kollegen entgegengebracht haben."
Im Rahmen dieser gelungenen Feier des vlbs Ortsverbandes Koblenz zur Gründung des vlbs vor 60 Jahren in Koblenz wurden auch zahlreiche vlbs-Mitglieder für ihre langjährige Mitgliedschaft im vlbs geehrt.

60 Jahr vlbs 015 60 Jahr vlbs 018
von links nach rechts: Helmut Pflug, Günter Fondel, Heidi Bonni   Geehrte, langjährige vlbs-Mitglieder