Bezirksverband Koblenz
Bezirksvertreterversammlung am 23. April 2015 in Montabaur

(Andreas Hoffmann) Viele Ortsverbandsvorsitzende, Schulvertrauensleute und Ausschussvorsitzende aus dem Bezirk haben die Einladung von Willi Detemple, dem Vorsitzenden des vlbs Bezirksverbandes Koblenz und stellvertretendem Landesvorsitzenden, an die BBS Montabaur wahrgenommen. Darüber hinaus ist es Willi Detemple gelungen, den leitenden Referenten des Referates 36 der ADD Außenstelle Schulaufsicht in Koblenz, Herrn Walter Ellermeyer, für einen Vortrag zu dem Themenkomplex Schulstrukturreform BBS im Schulaufsichtsbezirk Koblenz zu gewinnen. Anwesend war neben den anderen Vorstandsmitgliedern des Bezirksverbandes auch Heidi Bonni als stellvertretende Vorsitzende des Landesverbandes. Der vlbs Ortsverband sorgte dankenswerterweise für das leibliche Wohl der Sitzungsteilnehmer.
Frau Nugel begrüßte als Schulleiterin die anwesenden Sitzungsteilnehmerinnen und -teilnehmer und wünschte ihnen einen informativen Austausch.

 

Bild2kleinNeben den Berichten von Willi Detemple und Heidi Bonni war das Gespräch mit Herrn Ellermeyer ein wesentlicher Bestandteil der Sitzung. Von Willi Detemple nach einer möglichen Schulstrukturreform im Schulaufsichtsbezirk Koblenz gefragt, äußerte der Leiter des Referats BBS im Bezirk Koblenz, dass sich momentan eine Reihe von Arbeitsgemeinschaften damit beschäftigen, wie auf den Rückgang der Schülerzahlen und den daraus folgenden kleinen Klassen reagiert werden solle. Ziel aller Maßnahmen sei es, die Beschulung in der Fläche zu erhalten, dabei aber auch Kosten und Ressourcen im Blick zu behalten. So kooperierten z.B. innerhalb eines landesweiten Schulversuches, an dem neun berufsbildende Schulen beteiligt seien, die BBS Diez und die BBS Lahnstein und erprobten u. a. Umstrukturierungen hinsichtlich der Lerngruppenzusammensetzung. Gleichzeitig gebe es eine Arbeitsgruppe, die an der Strukturierung der Fachklassen im Land arbeite. Zweimal jährlich treffe sich die AG, um die Fachklassenbildung an den einzelnen Standorten zu besprechen und ggf. Maßnahmen zu ergreifen, um eine Beschulung unter pädagogischen Kostengesichtspunkten sicher zu stellen. Für das aktuelle Schuljahr liege demnächst ein Gesamtplan vor, aus dem ersichtlich werde, wo und in welchen Stufen Fachklassen an den berufsbildenden Schulen eingerichtet seien. Bei allen Fragen zur Klassenbildung in der dualen Ausbildung müsse man auch frühzeitig den Kontakt und die Absprache mit den jeweiligen Kammern suchen. Willi Detemple fragte Walter Ellermeyer ganz konkret: "Wann kommt eine Strukturreform im Schulaufsichtsbezirk Koblenz?" Herr Ellermeyer äußerte hierzu, dass die genaue Prüfung der vorliegenden Gliederungspläne gezeigt habe, dass der Schulaufsichtsbezirk Koblenz den Vorteil habe, vorwiegend größere und weniger kleine Schulen zu haben. In Koblenz sei man, aufgrund der Veränderungen im Koblenzer Referat, im Moment der Auffassung, abzuwarten, bis die Gesamtdaten zu den Fachklassen zusammengetragen seien. Momentan zeichne sich deshalb keine Verlagerung von Fachklassen ab und es bestehe von Seiten der ADD keine Absicht, z. Zt. etwas in größerem Rahmen zu verändern. Allerdings müsse davon ausgegangen werden, dass auch im Bereich Koblenz in naher Zukunft wahrscheinlich Maßnahmen ergriffen werden müssten, da sich abzeichne, dass es auch im hiesigen Bereich in bestimmten Sparten nur eine sehr geringe Zahl von Ausbildungsverhältnissen gebe. Die ADD werde auf jeden Fall mit einzelnen Schulen diskutieren, wie extrem kleine Fachklassen beschult werden sollten. Ob die Beschulung von Fachklassen von sehr geringer Klassenstärke noch sinnvoll sei, müsse erörtert werden. Bei allen Fragen zu diesem Bereich müssten aber auch Gespräche mit den jeweiligen Schulträgern geführt werden. Willi Detemple plädierte an dieser Stelle entschlossen dafür, dass auch die Lehrkräfte in die Diskussion eingebunden werden müssten. Die Ängste der Kolleginnen und Kollegen müssten sehr ernst genommen werden.

Bild3kleinDes Weiteren bereite die Entwicklung der Wahlschulen an der BBS Sorgen. Das Angebot in allen Schularten sei so vielfältig, dass den Eltern das System nicht immer richtig klar sei, so Walter Ellermeyer. Der Drang zum Gymnasium sei nach seiner persönlichen Einschätzung unvermindert groß. Deshalb könnten die RS+ bei insgesamt zurückgehenden Schülerzahlen Probleme bekommen. Kammern und Innungen würden heute schon intensiv Werbung für berufliche Karrieren, an deren Beginn eine Ausbildung stehe, machen. Wichtig sei aber auch zu vermitteln, dass sich qualitativ hohe Schulabschlüsse und berufliche Ausbildung nicht ausschließen, sondern gleichzeitig im Bereich des berufsbildenden Schulwesens möglich sind. Willi Detemple appellierte hier an Walter Ellermeyer, dass für den Erhalt der Schulen in der Fläche gekämpft werden müsse.

Heidi Bonni sah die Sprachförderung für Migranten und Asylanten an den berufsbildenden Schulen als Aufgabe für die Zukunft. Hier sollten den Schulen Konzepte zur Verfügung gestellt werden. Willi Detemple berichtete von bisher landesweit nur fünf Einstellungen von Sprachförderlehrerinnen und -lehrern. Hier haben die berufsbildenden Schulen noch enormen Nachholbedarf. Er kritisierte, dass die Bezahlung außertariflich erfolgt. Für qualifizierte Lehrkräfte stellt diese Bezahlung keinen Anreiz dar.

Für den Einsatz von Lehrerinnen und Lehrer für Fachpraxis machen Abordnungen wenig Sinn, sondern Priorität muss auf den Bedarf vor Ort gelegt werden. Wenn im Zuge der Inklusion vermehrt beeinträchtigte Schülerinnen und Schüler in die Klassen des BVJ und der BF integriert werden, stellt sich die Frage, wie die Lehrerinnen und Lehrer für Fachpraxis dieser Herausforderung ohne die notwendigen pädagogische Sonderqualifikationen begegnen sollen. Willi Detemple verweist hinsichtlich der Einsatzmöglichkeiten auf den Dienstherrn, der aufgrund seiner Führsorgepflicht für eine angemessene Beschäftigung zu sorgen hat. Lehrerinnen und Lehrer für Fachpraxis werden, laut Walter Ellermeyer, zur Erteilung des fachpraktischen Unterrichtes eingestellt. Wenn sie auch Theorieunterricht erteilen, ist dies so nicht vorgesehen. Er sieht allerdings gerade bei dieser Frage zwei Seiten einer Medaille. Einerseits böte sich dadurch fachlich sehr versierten Kolleginnen und Kollegen eine Möglichkeit über die Schülergruppe hinaus, für deren Unterricht sie eingestellt worden seien, andererseits hätten sie aber kein Studium zur Erteilung des theoretischen Unterrichtes absolviert und damit nicht die Voraussetzung für die entsprechende Laufbahn. Aus seiner Erfahrung in der Schule habe er immer wieder geschätzt, wenn "Praxis-" und "Theoriekollegen" gemeinsam ihre Kompetenzen zur bestmöglichen Entwicklung der Schülerinnen und Schüler einbringen. Ein dramatisches Absinken der Schülerzahlen im Bereich des BVJ und der BF sei zwar nicht, wie prognostiziert, eingetreten, trotzdem sei das Problem eines adäquaten Einsatzes der Kolleginnen und Kollegen auch im Schulaufsichtsbezirk Koblenz greifbar. Aber wenn eine Schule in Absprache und mit Zustimmung der Kollegin, des Kollegen, Lösungen suche, um sinnvolle Beschäftigung vor Ort zu sichern, sei dies sicher eine ebenso zu diskutierende Frage wie eine mögliche Abordnung oder Versetzung. Könne eine Lehrkraft für Fachpraxis an der eigenen Schule nicht mehr in vollem Maß im fachpraktischen Unterricht eingesetzt werden, habe zunächst in der Regel die Abordnung an eine andere Schule Priorität. Über eine Versetzung unter sozialverträglichen Aspekten werde nachgedacht, wenn an der eigenen Schule kein Bedarf mehr für den fachpraktischen Unterricht bestehe.

Willi Detemple bedankte sich bei Walter Ellermeyer für das informative und offene Gespräch in freundlicher Atmosphäre.

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