BV Koblenz: Bezirksvertreterversammlung am 12. November 2015 in Andernach

(Andreas Hoffmann) Am 12. November fand an der BBS Andernach die gut besuchte Bezirksvertreterversammlung des Bezirksverbands Koblenz statt, zu der Willi Detemple, Vorsitzender des vlbs Bezirksverbandes Koblenz und stellvertretender Landesvorsitzender des vlbs, in regelmäßigen Abständen einlädt.

 

Ein wesentlicher Tagesordnungspunkt war neben den Berichten aus dem Landesvorstand und dem Bezirkspersonalrat durch Willi Detemple der Vortrag von Harry Wunschel - Mitglied im Landesvorstand des vlbs und Mitglied des Hauptpersonalrates - zum Themenbereich "Aspekte der strukturellen Weiterentwicklung der berufsbildenden Schulen und der Integration von Flüchtlingen".

Wunschel1In den vergangenen 6 Schuljahren sind die Schülerzahlen an den berufsbildenden Schulen von ca. 80.000 auf knapp 68.000 gesunken. Von den insgesamt 3668 gebildeten Klassen, so Harry Wunschel, haben 30 % weniger als 16 Schülerinnen und Schüler, 17 % bis zu 12 Schülerinnen und Schüler und ca. 6 % der Klassen noch bis zu 8 Schülerinnen und Schüler. Aufgrund der geringen Klassenstärken sind an manchen Standorten Zusammenlegung und Verlegung von Ausbildungsgängen leider unausweichlich. Ziel der Umstrukturierungen soll die Stärkung der Schulstandorte in der Fläche sein. Doch zumindest sind einige der erfolgten Maßnahmen in Frage zu stellen, so Harry Wunschel, insbesondere wenn zusätzlich kommunale Interessen ins Spiel kamen. Denn die Verlegung von intakten mehrzügigen Ausbildungsgängen z.B. von Mainz nach Ingelheim ist nicht den kleinen Berufsschulklassen geschuldet und oftmals mit Versetzungen von Kolleginnen und Kollegen verbunden. Kleinere Ausbildungsgänge dagegen schaffen oftmals den Wechsel an eine andere Schule nicht und verschwinden.
Die Expertengruppe auf der Ebene des MBWWK, die sich vor zwei Jahren mit der strukturellen Weiterentwicklung der berufsbildenden Schulen beschäftigte, fordert die Sicherung des Berufsschulunterrichts an wohnort- und ausbildungsplatznahen Berufsschulstandorten. Um die Realität der geringeren Klassenstärken im Teilzeitbereich abzudecken wurde deshalb der PauSE-Faktor für die Berufsschule als Kompromisslösung von 0,56 auf 0,6 erhöht. Gleichzeitig sollten 14 Lehrerwochenstunden für 12 Schülerwochenstunden für den Bereich der Berufsschule für spezielle Förderangebote umgesetzt werden. Diese "14 für 12-Forderung" wurde bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt aber nicht umgesetzt. Zur Anwendung kommt aber das "Modell 16-12-12", also mindestens 16 Schülerinnen und Schüler in der Grundstufe und jeweils mindestens 12 Schülerinnen und Schüler in den beiden Fachstufen der Berufsschule. Wenn die 3 Ausbildungsjahrgänge insgesamt weniger als 40 Schülerinnen und Schüler enthalten, führt die/der zuständige Referent /-tin der ADD Gespräche mit Schulträger, Schule und dualen Partnern Gespräche hinsichtlich einer dauerhaften Lösung. Entgegen den Vorschlägen der Expertenkommission wird die Erhöhung des PauSE-Faktors im Teilzeitbereich durch die Absenkung des PauSE-Faktors und damit durch größere Klassen in den Vollzeitbildungsgängen "gegen"-finanziert. Des Weiteren versucht das Ministerium durch den Schulversuch BS 20 (Berufsschule 2020) pädagogische, organisatorische und technische Möglichkeiten zur Weiterentwicklung der Berufsschule zu nutzen und auf diese Weise die duale Ausbildung in der Fläche zu sichern. Der Schulversuch läuft an 9 ausgewählten BBS-Standorten in Rheinland-Pfalz. Ziel dieses Versuchs ist es, curriculare Möglichkeiten eines gemeinsamen Unterrichts mit verschiedenen Lerngruppen zu erproben. Im Vordergrund steht dabei die Individualisierung des Lernprozesses. Weg vom Klassensystem hin zum Lernteam, lautet eine Maxime dieses Modellversuchs. Unterschiedliche Lernteams bilden berufshomogene oder -heterogene Lerngruppen, die von Lehrertandems geleitet werden. Technisch werden webbasierte Lernformen erprobt.

Zum Themenbereich "Beschulung von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund informierte Harry Wunschel, dass Ende September 2015 in Rheinland-Pfalz an 14 BBS-Standorten ca. 550 Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund beschult wurden. Als problematisch muss im Hinblick auf eine künftige Beschulung im Bereich der berufsbildenden Schulen die an vielen Stellen nicht ausreichenden sprachlichen Unterstützungsangebote gesehen werden. Während im neu eingerichteten Berufsvorbereitungsjahr mit dem Schwerpunkt Sprache (BVJs) 15 - 20 Wochenstunden Sprachförderunterricht vorgesehen sind, werden in der Berufsschule nur zwei Wochenstunden erreicht. Keinerlei schulischen Sprachförderunterricht erhalten Flüchtlinge und Migranten in den weiterführenden Schulformen und in allen Schulformen, wenn sie volljährig sind. Vielfach werden durch schulinterne Umschichtungen von Unterrichtsstunden und freiwillige Zusatzstunden Sprachförderstunden für diesen Personenkreis ermöglicht. Betroffene Schulen fühlen sich in dieser Situation oft unzureichend von den Schulbehörden unterstützt.

Willi Detemple dankte Harry Wunschel für seinen informativen Vortrag. Sein besonderer Dank ging auch an die Vorsitzende des vlbs Ortsverbandes Andernach, Steffi Kölsch, die für den vlbs die Veranstaltung vor Ort organisiert hatte.

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